Ein Tag im Krüger Nationalpark

Insgesamt verbrachten wir eine ganze Woche in der Thokozani Lodge. Natürlich gehört mindestens ein Tag im Krüger Nationalpark zum Programm.
 
Es geht morgens bereits sehr zeitig los, Abfahrt ist um 5:30 Uhr. Pünktlich erscheint unser Guide Arnold mit einem teilweise offenen Safarifahrzeug. Die Tour ist exklusiv für uns vier, Sitzplätze gibt es insgesamt 10 Stück im Fahrzeug. Nach einer halben Stunde sind wir bereits am Parkeingang des KNP. Nach einigen Formalitäten geht es weiter. Schnell tauchen die ersten Tiere auf. Büffel - gleich eine kleine Herde als Vertreter der Big Five. Impalas stehen an der Straße (die sieht man permanent). Kudus kreuzen den Weg,  Scheu kennen sie nicht. Nach einer Weile sehen wir eine kleine Gruppe, vielleicht sechs Tiere, von Säbelantilopen. Man denkt, das ist nichts Besonderes. Ist es aber schon. Sie sind sehr scheu und extrem selten. Im ganzen Park gibt es noch etwa 300 Tiere, und Arnold hat sie bisher nur einmal im Park gesehen, andere Guides noch nie. Nach und nach füllt sich unsere Liste mit tierischen Sehenswürdigkeiten. Giraffen, Wasserböcke, Springböcke, die ersten Elefanten mit Jungtieren sind zum Greifen nah.

Nach etwa drei Stunden wird es Zeit für die erste Pause. Am Rastplatz Afsaal wird Holgers große Lunchbox ausgepackt. Er hat uns reichlich versorgt mit Sandwiches, hartgekochten Eiern, Keksen, Obst, Kaffee, Softdrinks usw., inkl. Becher, Besteck und sogar einer Tischdecke. Man muss nur höllisch aufpassen, das die allgegenwärtigen Seidenäffchen sich nicht am Frühstück bedienen oder die Kamera klauen. Die Tiere sind schlau und haben ihre eigenen Strategien entwickelt. Während der Pause tauscht Arnold sich mit seinen Kollegen aus, wer wo was gesichtet hat. Und dann geht es in Windeseile weiter: Geparden waren nah am Rastplatz gesehen worden.
Tatsächlich haben wir das Glück, nach ein paar Minuten die Tiere zu sehen. Drei junge Geparden liegen wenige Meter von der Straße entfernt im Gras und schauen uns gelangweilt an. Faszinierend schön.

Geparden im KNP

Aber auch die für viele unscheinbar wirkenden Tiere haben natürlich ihren Reiz. Wir sehen die seltenen, vom Aussterben bedrohten Südlichen Hornraben, Adler, Warzenschweine und so vieles mehr.
An einer Stelle, die den Führern gut bekannt ist, leben Hyänen, gerne in leeren Wasserrohren, die unter der Straße liegen. Mehrere Tiere sind da, Mütter mit ihrem Nachwuchs in unterschiedlichem Alter. Eine Hyäne liegt am Straßenrand und säugt seelenruhig ihre niedlichen verspielten Welpen. Man sollte nicht vergessen, dass diese Tiere über ein enorm kräftiges Gebiss verfügen, auch wenn sie klein so niedlich sind.

Hyänen im KNP
Es wird wieder etwas hektisch; ein Leopard ist gesichtet worden. Wir finden ihn. Er liegt wie in  einer Werbebroschüre präsentiert auf einem Marulabaum. Es ist etwas Entfernung zwischen uns und dem Tier, aber mit dem Teleobjektiv ist er gut zu fotografieren und mit den von Holger zu Verfügung gestellten Ferngläsern toll zu beobachten.

Leopard im Baum
Irgendwann wird es Zeit für eine Mittagspause und die biologischen Bedürfnisse. Im Park kann man nicht einfach anhalten und mal gerade seinen Bedürfnissen nachgehen. Da ist schon etwas Disziplin gefragt. Wir fahren nach Skukuza, einer großen Lodge am Sabie River mit Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten. Der Inhalt der Lunchbox reicht auch für diesen Stopp.

Nachmittags geht es weiter. Arnold würde uns gern Löwen zeigen, aber die haben wohl ihren freien Tag. Man ist eben nicht im Zoo. Aber es folgen weitere Highlights. Wieder Elefanten, die neugierig bis ans Auto herankommen. Nashörner bekommen wir mehrfach zu sehen, auch aus ganz geringer Distanz. Flusspferde sehen wir, Krokodile auch.
Ein kurzer Abstecher führt uns zum Lake Panic. Das ist ein See, an dessen Ufer ein bequemer Unterstand errichtet wurde, wo man sitzen und fotografieren kann, ein vergrößerter ebenerdiger Hochsitz etwa - ein Ort der Stille. Wir sehen am anderen Ufer Wasserböcke, Schildkröten sitzen auf einem Baumstamm im Wasser, Webervögel bauen ihre Nester in den Bäumen. Dann wird das Wasser unruhig. Ein Krokodil hat ein Warzenschwein erbeutet und verzehrt es langsam.

Krokodil im Fluss

Danach bekommt Arnold wieder eine Info von seinen Kollegen. Ein weiterer Leopard hat an einem Wasserloch direkt neben der Straße einen weiblichen Wasserbock gerissen.

Wow, zwei Leoparden an einem Safaritag im Krüger Nationalpark (KNP) gesichtet - was für ein Geschenk der Natur.

Zwischen uns und der Beute steht leider völlig verzweifelt Herr Wasserbock, der Leopard hält sich noch versteckt. Irgendwann taucht er jedoch auf und beschäftigt sich mit der Beute. So ist die Natur eben. Der Wasserbock war ein schönes Tier, aber auch der Leopard braucht seine Nahrung.

Leopard beim Fressen

Mit dem Safari-Jeep kann Arnold auch offroad fahren- und das macht er auch. Sicher und erfahren fährt er uns abseits der Hauptwege durch den Park, immer auf der Suche nach interessanten Eindrücken. Es ist nicht das unbedingte Ziel, im Park die Big Five zu finden, sondern die Tier- und Pflanzenwelt an diesem wunderbaren Ort zu entdecken, inmitten einer traumhaften Kulisse. Denn auch das Panorama der abwechslungsreichen Landschaft ist fantastisch anzuschauen.

Auch dieser schöne Tag geht irgendwann zu Ende. Arnold bringt uns gegen 17:00 Uhr zur Thokozani Lodge zurück. Ihm hat die Tour auch Spaß gemacht und er erwartet nichts, freut sich aber über einen kleinen Motivationsschub in Form eines Trinkgelds. Wieviel? Holger fragen! Und der wartet schon auf uns. Er hat ein tolles Abendessen vorbereitet, das wir nach heißer Dusche am Abend gerne genießen. Nach dem langen Tag nicht mehr rausfahren zu müssen, sondern einfach nur zu entspannen und den Tag Revue passieren zu lassen, ist der richtige Abschluss. Bei einem Glas Wein auf der Terrasse kann man die gesammelten Eindrücke langsam anfangen zu verarbeiten.

Noch ein Tipp zur Safarifahrt, was man mitnehmen sollte: Morgens ist es oft sehr kühl. Also lange Hosen, Fleeceshirt, Schal oder Halstuch (wobei Arnold notfalls auch Decken anbieten kann), bei bedecktem Wetter kann auch eine Regenjacke angesagt sein. Wenn es dann warm wird, ist es gut, wenn man auf Shorts und T-Shirt umsteigen kann (der beliebte Zwiebellook also). Und Sonnenschutz sollte man auf keinen Fall vergessen, Sonnenhut schadet ebenfalls nicht.

Wir waren in den vergangen Jahren mehrfach im Krügerpark. Man mag denken, dass das langweilig wird. Nein, wird es nicht. Es ist jedes Mal anders. Andere Jahreszeit, anderes Wetter, andere Tiere. Man fährt auch nicht immer auf denselben Wegen. Es gibt ja mehrere Eingänge zum Park und unzählige Routen und der Park ist riesengroß.

Heike und Karsten

Written by : Holger